Roths Erfindergeist: Aus industrieller Tradition wächst Zukunft

Roths Erster Bürgermeister Andreas Buckreus unterstützt den Peter-Henlein-Preis und die Idee eines fränkischen Netzwerks für frühe Innovationen. Im Gespräch mit Roland Weiniger, Präsident der Peter-Henlein-Gesellschaft, wurde deutlich: Erfindergeist gehört in Roth nicht nur zur Geschichte. Er prägt den Industriestandort bis heute und kann zum Ausgangspunkt neuer Projekte und Kooperationen werden.
Roth wurde von Ideen geprägt, lange bevor Begriffe wie Innovation, Transformation oder Technologietransfer zum politischen und wirtschaftlichen Alltag gehörten.
Über Jahrhunderte bestimmte die leonische Industrie die Entwicklung der Stadt. Aus feinen Drähten, Gespinsten und Geweben entstand ein bedeutender Wirtschaftszweig, der Arbeitsplätze schuf, technisches Wissen hervorbrachte und Roth weit über die Region hinaus bekannt machte.
Diese Geschichte ist nicht abgeschlossen. Das Fabrikmuseum bewahrt Maschinen, Produktionsverfahren und Arbeitswelten der Vergangenheit. Gleichzeitig wird die industrielle Tradition in Roth fortgeführt.
Mit der sogenannten „Fabrik der Zukunft" entstand ein moderner Standort, der Kabelproduktion, Logistik, Entwicklung und Labore miteinander verbindet. Der dort angesiedelte Geschäftsbereich gehört seit 2025 zur Time Interconnect Group und tritt weiterhin als Leoni Cable Solutions auf. Name, Unternehmenssitz und Produktion in Roth bleiben damit erhalten.
Das Fabrikmuseum und der aktive Industriestandort erzählen zwei Kapitel derselben Geschichte: Das eine macht sichtbar, wie technischer Einfallsreichtum, unternehmerische Entscheidungen und die Erfahrung vieler Beschäftigter Roth geprägt haben. Das andere zeigt, dass industrielle Entwicklung und Innovation in der Stadt weiterhin stattfinden.
Im Gespräch mit Roland Weiniger erläuterte Erster Bürgermeister Andreas Buckreus, welche Bedeutung Erfindungen und Innovationen für Roth und seine regionale Identität besitzen. Technischer Fortschritt ist hier kein abstraktes Zukunftsversprechen. Er gehört zur Geschichte der Stadt und zu ihrem Selbstverständnis als Industriestandort.
Zur Geschichte der Stadt gehört die Geschichte der Arbeit
Regionale Identität wird häufig mit Landschaften, Bauwerken, Festen oder überlieferten Traditionen verbunden. In einer Industriestadt wie Roth gehört jedoch ebenso die Geschichte der Arbeit dazu: die Betriebe und Produktionsverfahren, die Menschen hinter den Maschinen und die Ideen, mit denen sie ihre Arbeit immer wieder veränderten.
Erfindungen entstehen selten aus dem Nichts. Häufig steht am Anfang ein konkretes Problem: Ein Arbeitsablauf dauert zu lange. Eine Maschine arbeitet zu ungenau. Ein Verfahren verbraucht zu viel Material. Eine Tätigkeit ist gefährlich oder körperlich belastend.
Aus Erfahrung, Beobachtung und praktischem Wissen entstehen Verbesserungen. Nicht jede davon führt zu einem Patent, einer Ausgründung oder einem neuen Produkt. Dennoch können solche Lösungen Produktionsweisen verändern, Ressourcen sparen, die Sicherheit erhöhen oder neue wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnen.
Gerade diese alltäglichen und häufig wenig sichtbaren Innovationsleistungen prägen industrielle Regionen. Sie zeigen, wie eng technische Entwicklung, wirtschaftlicher Wandel und regionale Identität miteinander verbunden sind.
Für Roth bedeutet der Blick auf den eigenen Erfindergeist deshalb mehr, als Industriegeschichte zu bewahren. Es geht darum, sichtbar zu machen, wie diese Geschichte bis heute weitergeschrieben wird.
Ein Netzwerk für frühe Ideen
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die mögliche Einbindung Roths in ein fränkisches Netzwerk für frühe Innovationen. Der Peter-Henlein-Preis bildet dafür einen Ausgangspunkt. Die Idee reicht jedoch über eine einzelne Auszeichnung hinaus.
Die Peter-Henlein-Gesellschaft arbeitet daran, Kommunen, Unternehmen, Wissenschaft, Handwerk, Kultur und bestehende Innovationsstrukturen stärker miteinander zu verbinden. Im Mittelpunkt stehen Vorhaben, die sich noch ganz am Anfang befinden – bevor ein fertiges Geschäftsmodell, eine Unternehmensgründung oder ein marktreifer Prototyp vorhanden ist.
Gerade in dieser Phase fallen viele Ideen durch das bestehende Raster.
Ein Mensch erkennt ein Problem und entwickelt einen ersten Lösungsansatz. Beschäftigte finden eine Möglichkeit, einen Arbeitsablauf sicherer oder effizienter zu gestalten. Ein Handwerksbetrieb verbessert ein Verfahren. Eine Initiative entwirft eine neue Lösung für eine gesellschaftliche oder kommunale Aufgabe.
Solche Ideen sind häufig noch nicht weit genug entwickelt, um bestehende Gründungsprogramme, Wettbewerbe oder Förderangebote nutzen zu können. Oft fehlen fachliche Rückmeldungen, geeignete Kontakte, Testmöglichkeiten oder Partner, mit denen aus einem ersten Gedanken ein belastbares Vorhaben werden kann.
Ein fränkisches Frühphasennetzwerk setzt genau an diesem Übergang ansetzen. Es soll frühe Ideen sichtbar machen, ihre Weiterentwicklung unterstützen und den Zugang zu geeigneten Partnern sowie bestehenden Gründungs-, Transfer- und Förderangeboten erleichtern.
Dazu können erste fachliche Einschätzungen, Kontakte zu Entwicklungs- und Testpartnern oder die Vermittlung in passende Programme gehören. Ziel ist nicht, jede Idee selbst bis zur Marktreife zu begleiten. Aus einem ersten Lösungsansatz soll vielmehr ein Projekt werden, das bereit für den nächsten Schritt ist.
Roth als Teil einer fränkischen Innovationslandschaft
Roth kann in ein solches Netzwerk seine industrielle Erfahrung, die Kompetenz seiner Unternehmen und seine regionalen Kontakte einbringen. Gerade die Verbindung von gewachsener Industrie, praktischem Wissen und modernen Entwicklungsstrukturen bietet dafür gute Voraussetzungen.
Aus dem guten Gespräch zwischen Andreas Buckreus und Roland Weiniger sind bereits konkrete Ansätze für eine Zusammenarbeit entstanden. Diese sollen nun gemeinsam weiter ausgearbeitet und zu gegebener Zeit vorgestellt werden.
Der Peter-Henlein-Preis beschäftigt sich mit frühem Erfindergeist, Innovation und neuen Technologien aus Franken.
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